AT HOME
Das neue Album von ROOM-77 ist da.
O-Ton
"DIE MUSIK WAR MEINE RETTUNG"
Er spielt beim FC Bayern Fußball, hat zwei Länderspiele für Deutschland absolviert – und ist Gründer der Rockband Room 77. Ein Gespräch über das Leben zwischen Rasen, Reha und Rock.
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Andi Görlitz, ein Fußballprofi vom FC Bayern, der eine Rockband gründet, ist nicht gerade häufig zu finden. Wie kam es dazu?
Das hat mit meinen Verletzungen zu tun. Zwischen 2004 und 2007 musste ich mich fünf Operationen unterziehen. Das heißt fünfmal Rückschläge wegstecken und sich fünfmal durch die Reha zu kämpfen. Das war eine harte Zeit, in der ich etwas benötigt habe, das mich ablenkte.
Das war Gitarre spielen?
(Nickt.) Genau. Mein damaliger Rehatrainer Oliver Schmidtlein hatte mir empfohlen: Kauf dir doch eine Gitarre. Das habe ich getan, dazu noch ein Lernbuch mit CD. Aber nach ein, zwei Monaten wurde es mir langweilig, nur mit der Akustikgitarre auf der Couch vor mich hinzuspielen.
Was hast Du dagegen getan?
Erst einmal drei Wochen pausiert.
Und dann?
(Lacht.) Bin ich los und habe mir eine E-Gitarre samt Verstärker gekauft.
Da werden Deine Nachbarn begeistert gewesen sein.
Ich habe im Keller gespielt und das einzige Fenster schallisoliert.
War das besser als mit der Akustikgitarre zuvor?
Viel besser. Da ist meine Leidenschaft so richtig entflammt. Und es hat mir in der schweren Zeit als Fußballer enorm geholfen. Die Musik war meine Rettung. Dadurch habe ich den Kopf freibekommen, um in der Reha durchzuhalten.
Was ist das Gute an der Musik?
Du brauchst nichts – außer deiner Gitarre
Trotzdem hast Du eine Band gegründet.
Weil es noch cooler ist, mit Freunden zusammenzuspielen, sich gemeinsam zu entwickeln und zu verbessern.
Wie habt ihr euch gefunden?
Die Jungs kamen irgendwann mal in München vorbei. Da hab ich gesagt: Lasst uns mal zwei Lieder von der Bloodhound Gang und Placebo spielen.
Und?
(Lacht.) Es hat sich fürchterlich angehört – aber eine Menge Spaß gemacht.
Mittlerweile habt ihr schon eure erste CD produziert.
Das hat sich so ergeben. Ursprünglich hatten wir ja nur einen Song: Different Views. Da haben wir uns gesagt: Drei Lieder sollten es schon sein.
Und wie ging es dann weiter?
Na ja, ich hatte noch so viele andere Ideen auf dem Laptop. Da habe ich gesagt: Lasst uns fünf oder sechs Songs aufnehmen.
Es sind aber noch mehr dazugekommen.
(Lacht.) Ja. Als wir sechs Songs hatten, haben wir gesagt: Ist jetzt eh wurscht, lasst uns gleich zehn Lieder und eine richtige CD machen. Darauf bin ich auch mächtig stolz. Das kann dir keiner mehr nehmen. Diese CD ist auch noch in 20 Jahren da.
Ihr schreibt eure Songs selbst. Für jemanden, der bis vor vier Jahren noch nicht mal Gitarre spielen konnte, eine reife Leistung. Fällt das nicht schwer?
Es geht. Ich habe gelernt, dass vor allem zwei Dinge entscheidend sind: Zeit und Geduld. Einen Song zu schreiben ist Arbeit. Wenn man das weiß, funktioniert es prima.
Konzerte dürften auch kein Problem für Dich sein. Du bist es ja gewohnt, vor noch mehr Menschen Fußball zu spielen.
Wenn mir diese Erfahrung bei Auftritten mit Room 77 nur helfen würde...
Tut sie nicht?
Leider nicht. Natürlich bin ich auch vor großen Spielen nervös. Aber das ist eine Nervosität, die ich kenne. Das ist bei Konzerten ganz anders. Da fehlt mir noch die Routine. Da habe ich jedes Mal schweißnasse Hände vor dem Auftritt.
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